Kai Jonas

Kai Jonas

Professor für Sozialpsychologie an der 

Universität Maastricht 

»Beim Vererben geht es um Sinnfragen: Was will ich weitergeben? Welches sind meine Werte?«


Herr Professor Jonas, Sie geben psychologische Erbberatung. Geht es bei einem Testament nicht vor allem um juristische und steuerrechtliche Überlegungen? 

Das ist häufig das Missverständnis. Und ich muss auch sagen: Es ist eine sehr deutsche Herangehensweise. In anderen Ländern, etwa den Niederlanden, den skandinavischen Ländern und den Vereinigten Staaten, wird Vererben stärker als Sinnfrage verstanden. Was will ich weitergeben? Was sind meine Werte? Was bedeutet für mich Gerechtigkeit? Und damit wird es zur psychologischen Frage. Der verengte Blick auf steuerliche und juristische Aspekte, also: „Wie fasse ich mein Testament korrekt ab? Wie kann ich möglichst viel Steuern sparen?“, ist meiner Ansicht nach falsch und vor allem ist er auch nicht hilfreich. Denn so bleiben relevante Themen außen vor. Die Auseinandersetzung mit unserem Erbe konfrontiert uns mit unserer eigenen Vergänglichkeit, mit unseren Wünschen und Sehnsüchten, aber bietet auch die Möglichkeit, die Normen und Werte weiterzugeben, die uns wichtig sind. Die Gestaltung unseres Testaments bietet uns zudem die Chance, nachhaltig in die nächste Generation hineinzuwirken, im Positiven wie im Negativen. Es ist ein Akt großer Verantwortung, einer der letzten, den man im Leben übernimmt..

 

Das ganze Interview mit Kai Jonas finden Sie in unserem Buch:

Zur Person

Dr. Kai Jonas (Jg. 1972) ist Sozialpsychologe. An der Maastricht University/NL hat er gegenwärtig den Lehrstuhl für Angewandte Sozialpsychologie inne und ist zudem Präsident der European Association of Social Psychology und Editor-in-chief von Comprehensive Results in Social Psychology. maastrichtuniversity.nl/kai.jonas



Bücher:

„Konfliktfrei vererben“ (Hogrefe)

Gemeinsam mit seinem Vater Hubertus A. Jonas hat Kai Jonas einen Ratgeber für eine verantwortungsbewusste Erbgestaltung verfasst. Eine sehr gute Hilfe und Denkanregung, für all diejenigen, die ihr Erbe gut regeln möchten. Die beiden Autoren leiten durch schwierige Fragen: Was bedeutet Gerechtigkeit für mich? Welche Motive leiten mich? Wie könnten Lösungen aussehen? 

Aufgaben und Checklisten helfen dabei, die beschriebenen Inhalte umzusetzen, Hinweise zur Gesprächsgestaltung erleichtern es, dieses Tabuthema bei den betroffenen Angehörigen anzusprechen. Der Ratgeber vermittelt Strategien, um die Regelung des eigenen Nachlasses optimistisch in die Hand zu nehmen.

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